Coole Insel

Johann Wolfgang
von Goethe

1749 – 1832

Kennt ihr einen Dichter, um den mehr Frauen geweint haben? Sie flogen früh auf den ansehnlichen, vielbegabten, geistreichen, ungemein charmanten, zu jedem Abenteuer bereiten Studenten.

Goethe

Er war besonders kultiviert, immer gut gekleidet und roch angenehm, war ein forscher Reiter und ein ausdauernder, anmutiger Tänzer. Und er hatte nie Geldnot.
Er hatte etwas Draufgängerisches und streng keusch und sittsam erzogene Frauen spürten noch in einer geselligen Unterhaltung, dass er nicht fragen wird, ob er sie umarmen und küssen darf.

Es gab viele heftige, meist kurze Liebschaften – nicht nur in seinen frühen Jahren. Er scheute festere Bindungen, floh aus einigen Liebesverhältnissen, auch wenn er spürte, dass Eltern seiner Liebschaften in ihm den erträumten Schwiegersohn sahen und ihn halten wollten. Auch aus einer Verlobung befreite er sich.

Goethe war ein geborenes Glückskind. 1749 in Frankfurt am Main in ein sehr wohlhabendes Elternhaus geboren, unter den fünf Geschwistern blieb er seiner Schwester Cornelia innig verbunden. Nach zwei Jahren Schule kamen acht Hauslehrer ins Haus und ließen die Kinder ein breites Bildungsangebot aufnehmen; allein bei den Sprachen gab es Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Italienisch, Englisch und Jiddisch. Neben diesen Geistesfächern lernte er Klavier- und Cellospielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Er hat viel Gelerntes lebenslang nutzen können.

Goethe zeigte seit seiner Kindheit ein lebhaftes literarisches Interesse und seit seinen Kindertagen eine Begeisterung fürs Theater.
Auf Wunsch seines Vaters studierte er in Leipzig und zum Abschluss in Straßburg
Jura. Er legte eine Dissertation über das Verhältnis von Kirche und Staat vor, die
dortige Theologen als Skandal werteten. Die Fakultät empfahl ihm die Rücknahme und ließ ihn nur das „niedere“ juristische Licentiat erwerben, das eine juristische Karriere erschwerte.

Von Straßburg blieb Goethe die für ihn literarisch sehr förderliche, dann lebenslange Freundschaft mit Johann Gottfried Herder – und die Erinnerung an die stürmische, kurze Liebe zu der Pfarrerstochter Friederike, die nach der unerwarteten Trennung in Schwermut fiel. Sie und ihre Umgebung hatten die Beziehung für eine Verlobung gehalten.
Mehr dem Vater zuliebe eröffnete Goethe in Frankfurt eine kleine Anwaltskanzlei, die er mit wenig Interesse betrieb. 1772 arbeitete er an Fassungen des Dramas „Faust“ und wurde, dem Vater zuliebe, Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar.

1773 veröffentlichte er das Drama „Götz von Berlichingen“,1774 den Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, Diese Schrift löste ungewollt eine Selbsttötungswelle aus und machte ihn auch in Europa bekannt. Ein Lebensweg als Schriftsteller öffnete sich.
Und dann trat, als er 26 Jahre alt war, der 18-jährige, von seinen Pflichten überforderte Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach in sein Leben und veränderte es vollständig. Der Herzog lud den als hochbegabt erkannten Goethe nach Weimar ein, wurde sein Freund, übertrug ihm viele hohe politische und Verwaltungsämter und schaffte es mit Geschenken und Gunstbeweisen, Goethe in Weimar zu halten – nicht zuletzt mit der Leitung des Hoftheaters, das er einundvierzig Jahre leitete, für das er Stücke schrieb und auch selbst als Schauspieler auftrat, auch mit dem Herzog, der auch die Nähe der Schauspielerinnen schätzte.

Mit dreiunddreißig Jahren war Goethe nach dem Herzog der mächtigste Mann im Kleinstaat. Neben seinen verantwortungsvollen Aufgaben entwickelte er sich mit vielen Gedichten und Liedern und mit seinen Bühnenwerken zum angesehendsten deutschen Dichter. Seine ministrielle Arbeit war beim Volk nicht so geschätzt wie in der Hofgesellschaft: Er war dafür verantwortlich, dass im „unteren Staatsvolk“ junge Männer zum Militärdienst gezwungen und an Preußen übergeben wurden.

Im „oberen Weimar“ war Goethe hoch geachtet – bis er eine junge Frau in sein Haus holte, die gar nicht standesgemäß war. Er meinte, sich das leisten zu können, lebte achtzehn Jahre in wilder Ehe mit Christiane Vulpius, hatte mit ihr den Sohn August Walter und heiratete sie erst, als er von marodierenden Soldaten sein Leben bedroht sah und von Christiane gerettet wurde. Vor seiner innigen Bindung an Christiane leistete Goethe sich eine unerhörte Unterbrechung:

Er entfloh zu einer einundzwanzig Monate dauernden Italienreise, als bezahlten Urlaub genehmigt, die für ihn nicht nur eine sexuelle Befreiung wurde: Die Weimarer Hofetikette war ein nicht nur angenehmer goldener Käfig. Heimgekehrt brach eine starke literarische Schaffenskraft aus ihm hervor. 1787 erschien die „Iphigenie auf Taurus“, ein Jahr darauf „Egmont“; 1790 das Bühnenwerk „Torquarto Tasso“. Dann kam Christiane Vulpius. Die Liebesbeziehung mit Christiane war innig und unkonventionell; seine Mutter gönnte ihrem „Hätschelhans“ diesen „Bettschatz“, doch als Christiane später schwerkrank im gemeinsamen Haus lag und starb, hielt Goethe schwer begreifbaren Abstand; er mied alle Berührungen mit anderen Krankheiten und dem Tod, dem er selbst mehrere Male nahe gewesen war.

Auf Vorschlag des Herzogs erhielt er 1804 vom Kaiser das Adelsdiplom. Er wurde Geheimrat, dann „Wirklicher Geheimrat“ und „Exzellenz“. Goethe hatte mehrere ergiebige Männerfreundschaften, so die mit Herder, Wieland und Schiller, bei der sich die Dichter gegenseitig zum Schreiben anregten. Er fand Zeit für Gedichtausgaben, für „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, die „Wahlverwandtschaften“, die Autobiografie „Aus meinem Leben – Dichtung und Wahrheit“ und für das seit Jahrzehnten immer weiter bearbeitete, endlich vollendete gewaltige Bühnenwerk „Faust, zweiter Teil.“

1828 starb sein Freund und Förderer, der Herzog. Zwei Jahre darauf erschütterte ihn die Nachricht vom Tod seines Sohnes, der eine Gesundheitsreise nach Italien nicht überlebt hatte und in Rom bestattet wurde. Goethe hat 74-jährig um eine 18-Jährige, trotz unterstützender Brautwerbung durch den Herzog, vergeblich geworben. Er war schon sechzehn Jahre Witwer, eine weitere Bindung blieb ihm verwehrt. Er hat einmal untertreibend gesagt, wenn er seine glücklichen Tage zusammenzählen würde, wären es keine vierzehn gewesen.

Es werden weit mehr gewesen sein in seinen zweiundachtzig Lebensjahren. Noch
immer rühren uns seine Lieder und Gedichte, lesen wir angerührt seine Bücher und sehen seine Bühnenwerke – denn er ist einer unserer ganz Großen, für den uns seine Anhänger in anderen Ländern beglückwünschen.

Einiges aus seinem Schaffen, vor allem aus seinem Lyrikschatz drucken wir hier für euch ab.

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

Goethe

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