Ich hab Ihnen doch von dem Holländer erzählt, der Frauen und Männer in Benelux abmurkst, keine Ahnung, ob er ein Motiv hat. Über sowas sprechen wir auch nicht.
Höchstens über ein paar Vorlieben dabei, Haarfarbe, Körbchengröße, Schuhe…
Er ist verrückt nach Stiefelträgerinnen, davon gibt’s ja wirklich Massen.
Ich hab ihn in einem Café in Arnheim wieder getroffen, er hatte zwei Frauen dabei, Sie können sich ja denken, was die an den Füßen hatten.
Als er zum Klo musste, hat er mir ein Zeichen gemacht; ich bin ihm unauffällig gefolgt.
Eine der Damen ist mir nachgegangen, ich musste abbiegen und hab mir was aus dem Automaten gezogen, bis sie weg war. Er hat schnell gesprochen: „Du, ich hab Karriere gemacht,
du weißt doch, dass ich bei den Unabhängigen bin? Jahrelang war ich Schriftführer, Schatzmeister, Vorstandsstellvertreter und nebenbei im Stadtrat. Genau das war mein
Glücktreffer; sie brauchten auf die Schnelle einen im Ministerium für Wohnungsbau, als Referent, 11.000 Euro plus Zulagen. Klar, hab ich das gemacht, hatte schon immer ein Faible für Wohnungen…“
„Und jetzt fehlen plötzlich einige im Amt?“, fragte ich. Er verstand mich nicht sofort, lachte dann aber: „Nein, kommt nicht in Frage, nicht in meinem Ministerium, nicht mal nebenan im
Gesundheitsministerium…
„Lass mich raten“, sagte ich, „aber im Finanzministerium gibt es unglaublich viele Frauen, die Stiefel tragen. Oder trugen…“
„Ja, das ist ein hübsches Hobby, aber ich hab ein Problem.“
„Raus damit, da kommt jemand.“
„Ich bin Referent. Meine Chefin ist ein ausgemachtes Ekel, eifersüchtig und gemein…“
„Aber sie trägt dauernd Stiefel“, sagte ich.
„Genau. Außer, wenn wir zuhause sind. Sie will immer kuscheln. Ist nichts für mich. Überhaupt, ich bin sie leid. Könntest du mir einen Gefallen tun? Für dich ist das doch ein Klacks.“
„Ist sie blond?“
„Nee, braun, glaub ich. Machst du es für zehn Riesen?“
„Muss ich ausrechnen, kommen allerhand Spesen dazu. Stell mich ihr vor, warum nicht Montag im Laden bei euch?.“
„Was soll ich dann sagen: Gib deinem Mörder die Hand, Liebling?“
„Quatsch. Sag, ich will ein paar Hunderttausend Wohnungen kaufen. Das wird ihr gefallen. Jetzt erst
mal zu deinen Begleiterinnen. Mich interessiert die in Blau. Die kannst du doch entbehren…“
(C) Julian Higgins U.: Knut Sommerfeld